Warum meterlange Webseiten besser sind

By 15. November 2017 Allgemein

Ist Ihnen schon ein­mal auf­ge­fal­len, dass Web­sei­ten immer län­ger wer­den?

In Ver­gleichs­tests schnei­den lan­ge Web­sei­ten, also sol­che, die man mehr­mals her­un­ter­s­crol­len kann ("long scroll"), bes­ser ab als kur­ze.

War­um ist das so?

Nach einer gän­gi­gen Faust­re­gel soll­te eine Web­sei­te die glei­che Men­ge an Infor­ma­tio­nen ent­hal­ten wie ein direk­tes Ver­kaufs­ge­spräch.

Das erscheint nach­voll­zieh­bar, bedeu­tet aber auch, dass even­tu­el­le Nach­fra­gen auf der glei­chen Sei­te beant­wor­tet wer­den müs­sen. Dies führt dazu, dass so man­che Web­sei­te gefühlt unend­lich lang ist, da immer wie­der neue Inhal­te nach­ge­la­den wer­den.

Unendliche Welten

Das soge­nann­te "Infi­ni­ty Scrol­ling" wird auch bei Sei­ten wie Face­book oder Quora ein­ge­setzt. Dort endet eine Sei­te prak­tisch nie. Dies regt Besu­cher zu einem län­ge­ren Ver­bleib auf der Sei­te an.

Pagi­nie­run­gen, die am Ende einer Sei­te dazu auf­for­dern, auf die nächs­te Sei­te zu kli­cken füh­ren hin­ge­gen schnell dazu, dass die Besu­cher absprin­gen. Das hängt häu­fig damit zusam­men, dass das Laden einer neu­en Web­sei­te eini­ge Sekun­den dau­ert, was oft zum Abdrif­ten führt. Beim end­lo­sem Scrol­ling wird dage­gen der Inhalt unmerk­lich im Hin­ter­grund nach­ge­la­den und ist sofort ver­füg­bar.

Ein wei­te­rer Vor­teil von lan­gen Sei­ten ist die Ver­ein­fa­chung der Navi­ga­ti­ons­struk­tur.

Was frü­her auf Unter­sei­ten gelegt wur­de, fin­det sich heu­te auf einer ein­zi­gen lan­gen Sei­te wie­der. Das War­ten nach einem Klick führt zu einer Unru­he, die sich schwer mit der kur­zen Auf­merk­sam­keits­span­ne von Inter­net­nut­zern ver­trägt.

Die Wahr­schein­lich­keit, dass der Inhalt einer lan­gen Sei­te zumin­dest über­flo­gen wird, ist somit deut­lich höher als beim Ankli­cken von fünf ver­schie­de­nen Menü­punk­ten.

Über der Kante

Frü­her wur­de sehr genau dar­auf geach­tet, wel­che Inhal­te "above the fold" lie­gen, also die Inhal­te, die der Besu­cher ohne scrol­len zu müs­sen, sofort sehen kann.

Die­ses Kon­zept ist aller­dings heu­te weit­ge­hend über­holt, da die Bild­schirm­grö­ßen schon allein durch mobi­le End­ge­rä­te alles ande­re als gleich­ar­tig sind. Durch exakt ein­ge­stell­te Respon­si­veness Ein­stel­lun­gen kann man zwar ver­su­chen, dass die wesent­li­chen Inhal­te sofort sicht­bar sind, aber auf­grund der heu­ti­gen Gerä­te­viel­falt kann dies jedoch nicht mehr sicher gestellt wer­den.

Wie animiere ich meine Besucher zum Scrollen?

Die Fir­ma Click­ta­le hat inter­es­san­te Unter­su­chun­gen durch­ge­führt, wie Web­sei­ten­be­su­cher am ehes­ten dazu gebracht wer­den kön­nen, wei­ter­zu­scrol­len.

Die Kern­emp­feh­lung war erstaun­lich sim­pel: Machen Sie Ihren Benut­zern durch geschick­te Anord­nung der Ele­men­te deut­lich, dass es noch wei­ter­geht und inter­es­san­te Inhal­te auf den Leser war­ten.

Ich per­sön­lich set­ze lan­ge Web­sei­ten ger­ne ein, um die Kom­ple­xi­tät der Navi­ga­ti­on zu redu­zie­ren. Der Besu­cher fühlt sich durch einen stim­mi­gen Argu­men­ta­ti­ons­leit­fa­den an die Hand genom­men, was Ver­trau­en zum Ange­bot und dem Unter­neh­men auf­baut.

Dadurch steigt die Über­sicht­lich­keit und es wird leich­ter, eine Viel­zahl von Inhal­ten zu ver­mit­teln. Außer­dem ist das Lesen deut­lich ange­neh­mer und stress­frei­er.

Auch Spie­gel Online hat dies erkannt und so wur­de die SPON Home­page im Lau­fe der letz­ten Jah­re immer län­ger. Aktu­ell sind es je nach Bild­schirm­grö­ße zwan­zig bis drei­ßig Sei­ten. Aus­ge­druckt ent­spricht das einer Län­ge von rund 10 Metern.

In die­sem Sin­ne: Let's scroll!